Kieferorthopädische Fehlstellungen, ihre Auswirkungen und was man tun kann

Im Tagesgeschäft beobachten wir viele verschiedene Fehlstellungen. Diese haben alle unterschiedliche Ursachen und erfordern dementsprechend individualisierte Behandlungs-konzepte.

Dazu zählen wir u. a. den offenen Biss, der bereits im Kleinkindesalter durch zu langes Daumenlutschen entstehen kann. Hier empfehle ich den Eltern spätestens ab dem zweiten Lebensjahr den Schnuller langsam auszuschleichen.

Der Schnuller (oder auch der Daumen!) kann sonst wie eine kieferorthopädische Apparatur wirken und der Kiefer und die Zähne richten sich danach. Wird dies rechtzeitig erkannt, reicht es oftmals aus konsequent zu sein und den Schnuller weg zu lassen. Innerhalb kurzer Zeit schließt sich durch die physiologische und natürliche Bewegung der Zunge und der Muskulatur der Biss von alleine. Je früher das erkannt wird, desto besser ist das Ergebnis.

Wird die schleichend eintretende Fehlstellung zu spät erkannt, kann es zu Sprachstörungen, wie etwa dem Lispeln, kommen. Ein offener Biss macht auch das Kauen und Abbeißen schwierig. Hier kann ein spezieller Schnullerersatz, wie z. B. eine Mundvorhofplatte, helfen. Bei bereits jugendlicheren Patienten kommen so genannte Trainer oder Positioner zum Einsatz. Es muss nicht immer sofort eine richtige Klammer eingesetzt werden.

Ein weiteres Problem kann zum Beispiel der sogenannte Kreuzbiss im Seitenzahnbereich sein. Normalerweise beißen die Oberkieferzähne über die Unterkieferzähne. Beim Kreuzbiss ist es genau anders herum. Das kann einseitig oder auch beidseitig entstehen.

Bei allen Befunden schauen wir immer ganz genau hin. Wie steht der Patient vor uns? Welche Körperhaltung hat er? Ist der Patient vielleicht sogar schon bei einem Physiotherapeuten oder Osteopathen in Behandlung? Oft steht eine Fehlstellung im Zusammenhang mit weiteren Asymmetrien, wie z. B. dem Schulter- oder Beckenschiefstand. Was zuerst da war, lässt sich meistens gar nicht sagen. Hier muss sich Hand in Hand mit dem Kinderarzt und/oder Physiotherapeuten die Behandlung abgestimmt werden um den bestmöglichen Behandlungserfolg zu gewährleisten. Oft merken Patienten gar nicht, dass sie einen Kreuzbiss haben. Langfristige Auswirkungen kann dieser auf das Kiefergelenk und die Kaumuskulatur haben, da diese über einen langen Zeitraum falsch belastet werden. Der Kreuzbiss kann oft durch herausnehmbare Klammern überstellt werden und hält sich durch den dann sehr stabilen Biss nachher von selbst. In einigen Fällen brauchen die Patienten noch eine Klammer für nachts, damit sich Zähne und Kiefer nicht wieder verstellen und um das Ergebnis langfristig zu sichern.

„Ganz wichtig ist mir die sichere Diagnose der individuellen Fehlstellung und das Herausarbeiten der darauf aufbauenden, optimalen Behandlung“.